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Mergelgrube Grisigen: Ziele der Volksinitiative können nach 14 Jahren umgesetzt werden

15. Dezember 2023
Die Mergelgrube Grisigen kann rekultiviert werden. Die Gemeinde Horw hat der AGZ Ziegeleien AG die Baubewilligung erteilt. Damit steht der Umsetzung einer kommunalen Volksinitiative aus dem Jahr 2009 nichts mehr im Weg.
Mergelgrube
Die Mergelgrube Grisigen wird seit 2001 nicht mehr genutzt.


Die ehemalige Mergelgrube der AGZ Ziegeleien AG wird seit 2001 nicht mehr genutzt. Seither hat sich das Areal am Pilatushang gemäss dem Rekultivierungsbericht, den die AGZ ausarbeiten liess, zu einem wertvollen Amphibienstandort entwickelt. Er wurde im Jahr 2017 in das Inventar der Amphibienlaichgebiete nationaler Bedeutung (IANB) aufgenommen. Dies insbesondere aufgrund der grossen Population der Geburtshelferkröte.

Mit der kürzlich erteilten Baubewilligung ist nun die Rekultivierung des ehemaligen Abbaugebiets möglich. In erster Linie geht es darum, den Schutz vor Gefahren sicherzustellen, die von der stillgelegten Grube ausgehen. Bauliche Eingriffe wird es wenige geben: Die Entwässerung wird sichergestellt und das baufällige ehemalige Betriebsgebäude mit Bergstation der früheren Transportseilbahn wird abgerissen. Das Transformatorenhäuschen bleibt bestehen, der Dachstock wird als Fledermausquartier optimiert und es werden Nisthilfen für Mehlschwalben oder Mauersegler angebracht. Zudem wird die Kurve der Schwendelbergstrasse unmittelbar oberhalb der Mergelgrube gegen langfristige Auswirkungen von Verwitterung gesichert. Die Materialverschiebungen für die Geländeanpassungen finden innerhalb der Grube statt, es gibt keine Fahrten mit Abtransporten von Aushubmaterial.

Natur hat Vorrang

Gemäss bewilligtem Baugesuch ist vorgesehen, für Amphibien wertvollen Lebensraum zu erhalten und zu schaffen. Dazu sollen ein zweiter Weiher und mehrere Flachtümpel sowie weitere temporäre Tümpel angelegt werden. Potenziell wertvolle, aber verbuschte Flächen werden ausgeholzt, ein Teil des anfallenden Materials kann an trockenen, sonnigen Standorten für Asthaufen verwendet werden. Neophytenbestände werden bekämpft und fachgerecht entsorgt.

Auf lange Frist sind pflegerische Eingriffe geplant, damit die Vielfalt der Lebensräume langfristig erhalten bleibt. Insbesondere soll verhindert werden, dass das Gebiet wiederum zu stark verbuscht. Der Zutritt zur Grube bleibt für die Öffentlichkeit wie bisher gesperrt. In der ehemaligen Abbaugrube hat die Natur Vorrang. Zudem ist das Areal aus Sicherheitsgründen nicht für die öffentliche Benützung geeignet.

Widerstand gegen Deponiepläne

Seit 2001 baut die AGZ Ziegeleien AG in Grisigen am Pilatushang keinen Mergel mehr ab. Jetzt, 22 Jahre später, ist definitiv geregelt, was mit der Abbaugrube passiert. Gegen die ursprünglichen Pläne der Betreiber, die Grube vor einer Rekultivierung als Deponie für Aushubmaterial zu nutzen, wehrte sich die Horwer Bevölkerung. Es kam die kommunale Initiative «Grube Grisigen der Natur überlassen» zustande. Diese wurde im Mai 2009 von den Horwerinnen und Horwern mit 61,56 Prozent Ja-Stimmen angenommen.

In der Folge musste das Bau- und Zonenreglement revidiert und die Abbauzone Grisigen aufgehoben werden. Dies löste eine Entschädigungsforderung der AGZ aus. Über deren Höhe entschied 2019 schlussendlich das Bundesgericht. Anerkannt hat das Gericht die Entschädigungsansprüche der AGZ in der Höhe von rund 2,3 Millionen Franken für Rekultivierungs- und Nachsorgekosten und für entgangene Einnahmen wegen nicht mehr möglicher Materialdeponierung.

Im Gebiet Grisigen am Fusse des Pilatus wurde bereits im 19. Jahrhundert Mergel abgebaut. Die Gründung der Ziegelfabrik in Horw geht auf das Jahr 1898 zurück. 1900 pachteten und 1901 kauften die Ziegelwerke Nebikon-Gettnau, die heutige AGZ Ziegeleien AG, die Fabrik. Auf einem Teil des Ziegelei-Areals sind seit 2019 Wohnhäuser entstanden. Der Steinibach wurde im Zuge der Quartiergestaltung renaturiert.
 

Trafohäuschen
Das Trafohäuschen soll stehen bleiben und unter anderem Fledermäusen Unterschlupf bieten.

 

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